Autogas Anlage im Jeep Grand Cherokee 5,2 V8

Autogasanlage im Jeep Grand Cherokee 5,2 V8


Hier für alle, die das Thema für Ihren ZJ in Angriff nehmen wollen, ein paar Bilder und Erfahrungen. Selbst umrüsten darf man natürlich nur mit einer speziellen Schulung. Trotzdem gibt es ja verschiedene Varianten, eine Autogasanlage einzubauen und bevor man zum Umrüster geht ist es schon sinnvoll sich Gedanken zu machen. Immerhin haben die Umrüster auch nicht jeden Tag einen Granny zu machen, ein paar Infos sind sicher für alle Beteiligten hilfreich. Man muss ja nicht alles neu erfinden.

Grundsätzlich:

1) Zeit nehmen. Tut es Euch und den Umrüstern nicht an, indem Ihr vereinbart: Wagen morgens bringen und abends mit TÜV wieder zurück. Das kann beim Granny nichts Vernünftiges werden...

2) Safety first. Kompromisse sind beim Einbau immer mal nötig, in Sachen Sicherheit sind Kompromisse tabu. Hilfreich sind neben den Hersteller-Einbauhinweisen auch die Hinweise in der VdTÜV 750.


Für die PRINS VSI habe ich mich aus folgenden Gründen entschieden:


Und nun zu den Einbaudetails:

Steuergerät:

.
Viele Möglichkeiten blieben nicht, da bei mir im Motorraum bereits einige kleine Nachrüstungen verbaut sind. Ein kleines Gestell war notwendig.

Die Hauptstromversorgung ist hier im Bild abgebaut, um eine Halteplatte für die Injektorsimulatoren zu montieren (vorn im Bild).

Sicherungen: .
Für die Sicherungen habe ich bei mir einen zusätzlichen Sicherungskasten, in dem auch endlich die fliegenden Sicherungen für die AHK, das EGS (D3) und die zusätzlich montierte Bordsteckdosenabsicherung Platz finden.

Falls man keine weiteren Sicherungen unterbringen will ist der zusätzliche Kasten natürlich nicht notwendig. Die fliegenden Sicherungen der VSI finden entlang des Kabelbaumes auch noch Platz.

Injektorsimulatoren: .
Die Simlatoren haben zwischen der Hautstromverteilung und der Batterie gerade so Platz gefunden. Hierfür muss man eine kleine Halteplatte bauen.
Verdampfer: .
Diese Stelle ist eine der wenigen, wo er beim ZJ hinpasst. Zwei Winkel halten den Verdampfer. Einer senkrecht nach unten und einer wagerecht zum Gestell des Tempomat.

Vorteile: gutes Rankommen zum Einstellen und kurze Wege zu den Kühlwasseranschlüssen und zum Unterdruckschlauch

Nachteile: schwierig, die Gaszuleitung anzuschließen und schwierig, an die hinteren Zündkerzen ranzukommen.

Filter: .
An dieser Stelle genügt ein kleiner Winkel. Der Filter ist hier auch leicht auszutauschen.
Injektorbänke: .
Es ist mal wieder nicht viel Platz da... Bei der Einbauweise in meinem ZJ ist für jede Bank ein kräftiger aber schmaler Winkel zurechtzubiegen.
Bis die richtige Einbaulage (Ventile leicht schräg nach unten und Bank mit dem Metallbügel auf dem Ventildeckelrand bündig und stabil aufliegend) erreicht war, musste mehrfach der Haltewinkel nachgearbeitet werden.
Tröstend ist nur, das man den Haltewinkel Nr. 1 dann für die Nr. 2 auf der anderen Seite als Schablone nehmen kann.
Hier kann man eine fertig installierte Injektorbank sehen. Die Verkabelung ist komplett in der Flexhülle untergebracht.
Einblasdüsen: .
Der Einbauort möglichst nah bei den Einspritzventilen ist sehr wichtig, um Probleme mit der Gasanlage später zu verhindern. Man kommt ohne Ausbau der Ansaugbrücke nicht überall ran. Außerdem will man ja keine Metallspäne in den Motor bekommen. Also Nägel mit Köpfen: Ansaugbrücke runter, Bohrungen und Gewinde nah an die Einspritzventile setzen, Einblasdüsen einbauen, alles wieder zusammenbauen. Eine ganz schöne Arbeit beim V8...
Im Vorfeld sollten alle Dichtungen, Dehnschrauben und Dichtmittel besorgt sein und beim "alten ZJ" bis Bj. 95 beim blinden Abschrauben der Abgasrückführung hinter der Ansaugbrücke mit dem Öldruckschalter aufpassen. Einmal mit dem Schlüssel abgerutscht und knacks ist der Öldruckschalter hin. Muss man mit dem Zusammenbau warten, bis Ersatz da ist...
Tank: .

Stako V12 - 88 l (netto 72 l) vertikaler Radmuldentank. Halte ich aus Platzgründen unter den derzeit verfügbaren Tanks einfach für die beste Lösung. Die Füllmenge ist ok. und man kann immer noch problemlos durchladen.

Auf das gute Stück musste ich allerdings über 6 Wochen warten. Beim Einbau muss der Benzintank abgesenkt werden, um an zwei der vier Gestellschrauben ranzukommen. Die Schrauben der Benzintankhalterung waren bei meinem Granny trotz Rostlöser und Geduld und viel Kraft nicht abzubekommen. Ein Mutternsprenger war dann die einzige Lösung.
Füllanschluss: .
Ich habe mich für einen HK-Flach neben der Tankklappe entschieden:

Vorteile: sehr robust, Kein Kniefall und Dreck wie bei Stoßstangenmontage, Anschluss der Zuleitung zum Tank und der Sicherheitstülle mit Ableitung lässt sich innen einigermaßen vernünftig und haltbar bewerkstelligen. Hinter dem Blech fängt ja immerhin schon der Wageninnenraum an. Ab da müssen alle Gasleitungsverbindungen in nach außen abgeleitete Hüllen.

Nachteil: Optik. Und: man muss immer einen Adapter nutzen. Einen 10-er Anschluss unter der Tankklappe habe ich aus mechanischen Gründen verworfen. (zu klein, zu fummelig, zu steil) Am liebsten wäre mir ein ACME an der Stelle vom HK-Flach gewesen, aber da war die vorhandene Einbautiefe zu gering.
Gasleitung zum Verdampfer: .
Variante bei mir: Im Gasableitungsschlauch vom Armaturenkasten des Tanks zum Laderaumboden durch die Durchführung unter den Wagen. Von dort weiter entlang der Bremsleitung (siehe Bild) und am linken Längsträger nach vorn zum linken Radkasten. Im Radkasten weiter entlang der Bremsleitung, natürlich außerhalb jedes möglichen Reifenkontaktes, und dort noch zusätzlich vor Steinschlag durch einen dicken Gummischlauch geschützt. Sollte auch im Gelände nicht gleich zum Problem werden.
Dann nach oben in den Motorraum, entlang der hinteren Motorraumkante auf die rechte Fahrzeugseite und dort zum Verdampfer.
Bedienteil: .
Passt beim ZJ bis 95 ganz gut auf die Overdrive - Heckscheibenwischer - Heckscheibenheizungs Schalter-Einheit.
Aber Vorsicht: nicht einfach durchbohren, denn viel Platz für die Kabeldurchführung ist im Schalter nicht. Lieber den Schalter ausbauen (was allerdings ziemlich aufwendig ist).

P.S. nach einem knappen Jahr:

1. Autogasfahren mit dem 5,2-er ist eine Freude!

2. Technisch lief die Anlage auf Anhieb ohne Probleme, nach 2000 km war ein neuer Verdampfer auf Garantie fällig. Ein bisschen Zeit hat es gebraucht, bis das Ausgehen an der Ampel beim plötzlichen morgendlichen Umschalten auf Gas behoben war (er braucht in der Software einfach eine recht hohe Umschalttemperatur). Aber jetzt gibts seit ca. 10000 km nichts mehr auszusetzen. Insgesamt bin ich mit Gas jetzt etwa 15000 km unterwegs.

3. Was ich beim nächsten Einbau anders machen würde: fällt mir derzeit nichts ein, vielleicht kommt später noch was...

4. Leistung: Wie erwartet vielleicht 10-20 % weniger Leistung auf Gas, macht etwa 200 PS statt etwa 235 PS aus. Merkt man nur, wenn irgend so ein Turbo Diesel anfängt, einen ärgern zu wollen, da schalte ich dann schon mal auf Benzin beim Überholen zurück. Das geht völlig ruckfrei.

5. Verbrauch: Wie erwartet etwa 10-20 % mehr, ich habe einen Durchschnitt von 20 Litern Gas bei viel Stadt und Landstraße.

6. Reichweite: Der Tank reicht etwa 350 km weit. Danach hat man noch den Benzintank. Es kam im letzten Jahr aber ganz selten vor, dass ich mit Benzin fahren musste (war auch im Urlaub in Italien und Tschechien)- das hatte ich so nicht erwartet, ich dachte, es wird häufiger mal keine Tankstelle aufzutreiben sein...